Ein Gespräch mit Andrea Kraus am 10.03.2015 in Aschaffenburg

 

 

War es Ihnen schon in der Schulzeit klar, dass Sie sich für einen künstlerischen Beruf entscheiden würden?

 

 Ich träumte immer von einem künstlerischen Beruf, schon als Kind. Allerdings rechnete ich mir keine großen Chancen aus. "Das ist brotlose Kunst", die wenigsten schaffen das. Richtig erfolgreich wird man, wenn überhaupt, erst nach dem Tod", so die Einstellung der Menschen um mich herum. Also habe ich mir eine berufliche Tätigkeit im künstlerischen Bereich relativ schnell aus dem Kopf geschlagen und zunächst versucht, einen "seriösen, bodenständigen" Beruf zu erlernen. Die Malerei führte ich als Hobby weiter. Das aber sehr konsequent und dauerhaft. Sie begleitete mich neben den vielen Versuchen, in anderen Bereichen Fuß zu fassen. Mein Mathematikstudium, meine andere große Leidenschaft, brach ich aus familiären Gründen ab. Auch eine Ausbildung im Hotelgewerbe, diverse Tätigkeiten in der Gastronomie, eine Anstellung als Kaufhausdetektivin, Geschäftsführerin einer amerikanischen Kette und eine Beschäftigung im Schaustellergewerbe waren nie von langer Dauer. Einzig den Beruf der Kunstlehrerin in der "Ersten Aschaffenburger Kunstschule" übte ich dauerhaft aus, fast zehn Jahre. Nebenbei begleitete mich immer die Malerei, im Bekanntenkreis begann ich damit, Wände zu bemalen. Ein Auftrag folgte dem Nächsten, und so kam es, dass ich mich 2008 selbständig machte und das Atelier Raumkünste gründete.

 

 

 

Haben Sie noch andere Interessen, neben der Kunst?

 

 Ja, mein großes Interesse galt immer der Mathematik. Im Studium wurde mir erst klar, wie kreativ man als Mathematiker sein muss. Für mich eine sehr faszinierende Welt, eine der Wenigen, die ich nie in Frage gestellt habe, neben so vielen Wissenschaften, mit denen ich das gemacht habe. Bis heute freue ich mich über jedes mathematische Rätsel, an dem ich mir den Kopf zerbrechen muss.

 

Auch die Musik spielte immer eine sehr große Rolle in meinem Leben. Leider habe ich nie selbst ein Instrument gelernt, geschweige denn Noten zu lesen. Aber ich besitze eine umfangreiche Musiksammlung aus ganz verschiedenen Stilen, von Klassik über Blues, Jazz , bis hin zu Heavy Metal oder progressive Musik. Wenn ich male läuft immer Musik, meistens mein aktuelles Lieblingsstück, das ich dann in einer Art Schleife den ganzen Tag über höre. Ich denke, dass die jeweilige Musik auch meine Bilder beeinflusst, was Farben oder Dynamik betreffen. Meine Liebe zur Musik gab ich wohl an meinen ältesten Sohn weiter, er interessierte sich nie sonderlich für Malerei, sondern wurde Musiker.

 

 

 

Haben Sie sich an anderen Malern orientiert?

 

 Nicht wirklich, muss ich gestehen. Ich habe natürlich Künstler, die ich sehr bewundere und deren Arbeit ich faszinierend finde. Allen voran Gustav Klimt. Seine Bilder finde ich wundervoll, mutig, ausdrucksstark und wahnsinnig schön. Sehr beeindruckend finde ich Francis Bacon, Van Gogh, Gauguin, wegen ihrer Kompromisslosigkeit und der Leidenschaft, die in ihren Bildern steckt. H.C. Giger liebe ich wegen seiner  unglaublich perfekten Technik und Welt, die er dadurch erschafft. Der Künstler Wolfram Bühler, ein guter Freund, ist für mich ein absolutes Vorbild, was Präzision und Technik betrifft. Er ist wohl der exzessivste Künstler den ich kenne.

 

Im Bereich der Wandmalerei/Illusionsmalerei hat mich der Künstler Christian Wahl am Meisten beeindruckt. Seine Werke finde ich ungewöhnlich, sowohl in der Motivauswahl als auch in der Farbgebung.

 

Aber orientiert in dem Sinne habe ich mich nicht wirklich an anderen Künstlern, ich versuche bis heute meinen eigenen Stil zu finden.

 

 

 

Gerade die neuen Bilder auf Leinwand wirken neben den oft präziseren Wandmalereien wie eine Befreiung. Werden diese Gemälde den Stil der Wandbilder beeinflussen?

 

 

 

Definitiv nein. Das sind für mich zwei grundverschiedene Bereiche, die ich nicht vermischen möchte. So habe  ich zum Beispiel ganz unterschiedliche Ansprüche an die beiden Bereiche. Bei der Wandmalerei geht es mir um eine handwerklich einwandfrei umgesetzte Malerei, um eine perfekte Illusionswirkung. Auch bei der Auswahl des Motivs spielen Dinge eine Rolle wie Wer ist der Auftraggeber, was für ein Mensch ist er/sie? Welche Art von Motiv passt zu der Person, farblich expressiv oder  eher still und zurückhaltend oder? Was passt in den Raum? Welche Lichtverhältnisse habe ich dort? Was ist perspektivisch möglich, was nicht? Letztendlich fühle ich mich in diesem Bereich eher als ein Dienstleister, ein guter Handwerker, der auf die Bedürfnisse und Wünsche der Auftraggeber eingeht.

 

Ganz anders verhält es sich mit meiner eigenen Kunst. Dort gilt eher das Gegenteil: Ich berücksichtige in keinster Weise die Bedürfnisse  oder Wünsche Anderer, Modeströmungen oder den aktuellen Geschmack potenzieller Käufer. Dabei geht es mir ausschließlich um mich. Ich möchte das was in mir steckt, durch meine Bilder transportieren. Ich befinde mich da auf einer Reise, auf einer Suche. Es geht wohl darum, Dinge, die in meinem Leben eine Rolle spielen, zu be- oder verarbeiten. Etwas auszudrücken. Ich habe das Glück, das Medium der Malerei zu haben. Es ist eine wunderbare Art, sich mit dem Leben und dessen Reichtum an Erlebnissen, Möglichkeiten, Gedanken und Gefühlen, Sichtbaren und Unsichtbarem auseinanderzusetzen. Es bedeutet für mich absolute Freiheit.

 

Sie haben keine Hemmung vor der großen Fläche, werden Sie sich bald auch das große Leinwandformat vornehmen?

 

Das schließe ich nicht aus. So gesehen sind meine  Leinwandbilder im Laufe der Zeit tatsächlich immer größer geworden. Ich liebe die Wandmalerei, weil ich durch sie in ganz anderen Dimensionen malen kann. Ich kann hunderte von Quadratmetern beherrschen, Wenn die Wand nicht ausreicht kann ich immer noch an der Decke oder auf dem Boden weitermalen. Man hat tolle Möglichkeiten sich auszutoben. Durch eine Leinwand ist man auf jeden Fall beschränkter, aus ganz praktischen Gründen. Man muss das Ganze schließlich von A nach B transportieren können. Ich besitze zwar schon ein recht großes Auto, aber bei zwei, drei Quadratmetern ist leider Schluss mit den Möglichkeiten.

 

Aber ausschließen werde ich größere Leinwandmotive in der Zukunft nicht. Ich sage mal so, ich arbeite an Lösungen...